K-03 · Einstieg

Praktikum in der Spieleentwicklung: So kommst du ins Studio

Praktikum in der Spieleentwicklung: wo Studios Stellen ausschreiben, was eine starke Bewerbung enthält und wie du die Zeit im Studio wirklich nutzt.

Praktikum in der Spieleentwicklung: So kommst du ins Studio

Das Praktikum ist der klassische Einstieg in die Spieleentwicklung — und gleichzeitig die am meisten unterschätzte Bewerbungssituation. Viele behandeln die Praktikumsbewerbung wie eine Formalie: Standardanschreiben, Lebenslauf, abschicken, hoffen. Dabei konkurrierst du gerade hier mit vielen Menschen, die genau dasselbe wollen wie du. Ein Studio, das eine Praktikumsstelle ausschreibt, bekommt häufig deutlich mehr Bewerbungen, als es lesen möchte.

Die gute Nachricht: Weil so viele Bewerbungen austauschbar sind, hebst du dich mit überschaubarem Aufwand ab. Du brauchst kein fertiges Profi-Portfolio und keine Beziehungen — du brauchst eine gezielte Bewerbung, sichtbare Eigeninitiative und eine kluge Auswahl der Studios, bei denen du anklopfst. Genau das gehen wir hier durch, vom Suchen bis zum letzten Praktikumstag.

Wo Praktika ausgeschrieben werden — und wo nicht

Die naheliegendste Quelle sind die Karriereseiten der Studios selbst. Wenn du weißt, wo du hinwillst, schau direkt dort nach — viele Studios listen Praktika unter den regulären Stellen. Dazu kommen branchenspezifische Jobbörsen und die Karrierebereiche von Branchenverbänden und Events. Auch Hochschulen mit Games-Studiengängen haben oft eigene Verteiler, über die Studios gezielt Praktikanten suchen.

Der wichtigere Teil der Wahrheit: Ein erheblicher Teil der Praktika wird nie öffentlich ausgeschrieben. Kleine Studios haben keine HR-Abteilung, die Stellenanzeigen pflegt. Dort entstehen Praktika oft dann, wenn jemand Passendes anklopft. Das macht die Initiativbewerbung zum vielleicht wirksamsten Werkzeug der Praktikumssuche: Du bewirbst dich nicht auf eine Stelle, du schlägst eine vor. Sprich konkrete Projekte des Studios an, sag klar, was du beitragen kannst und in welchem Zeitraum du verfügbar bist. Ein Studio, das gerade in einer arbeitsintensiven Phase steckt, sagt zu einem konkreten, gut begründeten Angebot schneller Ja, als du denkst.

Dritter Kanal: Sichtbarkeit in der Szene. Game Jams, lokale Entwickler-Stammtische, Community-Discords von Studios — wer dort auftaucht und etwas zeigt, bekommt Praktika manchmal angeboten, bevor sie existieren. Niemand erwartet dort von dir fertiges Können; erwartet wird nur, dass du etwas mitbringst, worüber sich reden lässt.

Kleines Studio oder großer Name?

Beide Wege sind legitim, aber sie optimieren für unterschiedliche Dinge.

KriteriumKleines StudioGroßer Name
AufgabenbreiteDu siehst fast alles, packst überall anEng umrissene Aufgaben in einem Teilbereich
VerantwortungOft früh und realMeist begrenzt, dafür gut betreut
LerneffektGesamtblick auf ProduktionTiefe in einem Spezialgebiet, Profi-Prozesse
Signalwirkung im LebenslaufGering, wenn unbekanntHoch, Name öffnet Türen
Chance auf die StelleHöher, weniger KonkurrenzNiedriger, viele Bewerber

Eine Faustregel, die sich bewährt hat: Wenn du noch herausfindest, welche Rolle zu dir passt, lernst du im kleinen Studio mehr — du siehst dort, wie alle Gewerke ineinandergreifen. Wenn du deine Richtung schon kennst und Tiefe suchst, ist die größere Produktion wertvoller. Und strategisch gilt: Die Chance, überhaupt genommen zu werden, ist beim kleinen Studio in der Regel deutlich höher.

Falsch ist übrigens keine der beiden Entscheidungen — ein Praktikum ist kein Karriere-Endpunkt, sondern ein Lernabschnitt. Wer im kleinen Studio anfängt, kann sich später bei der großen Produktion bewerben, dann schon mit Branchenerfahrung im Gepäck. Entscheidend ist, dass du überhaupt den Fuß in die Tür bekommst.

Was eine starke Praktikumsbewerbung enthält

Die meisten Praktikumsbewerbungen scheitern an Austauschbarkeit, nicht an mangelndem Talent. Eine starke Bewerbung besteht aus drei Teilen, und jeder hat eine klare Aufgabe.

Das Anschreiben beweist, dass du dieses Studio meinst. Nenne konkrete Spiele oder Projekte des Studios und sag, was dich daran interessiert — nicht als Schmeichelei, sondern als Beleg, dass du dich beschäftigt hast. Ein Absatz dazu, was du kannst und lernen willst, einer dazu, wann und wie lange du verfügbar bist. Mehr als eine Seite liest niemand.

Der Lebenslauf ist die Übersicht, nicht der Star. Übersichtlich, ehrlich, ohne aufgeblasene Stationen. Bei Praktikumsbewerbungen erwartet niemand Berufserfahrung — also tu nicht so, als hättest du welche.

Die Arbeitsproben sind das Herzstück. Zwei oder drei kleine, eigene Dinge: ein Jam-Spiel, ein Prototyp, ein paar dokumentierte Levelskizzen, ein Mod. Sie müssen nicht poliert sein. Sie müssen zeigen, dass dein Interesse über das Spielen hinausgeht und du angefangen hast, das Handwerk zu lernen.

Und vermeide die typischen Disqualifikatoren — sie sind banal, aber sie kosten regelmäßig Einladungen:

  • Do: Studio und Ansprechperson korrekt benennen, Links vorher testen, Verfügbarkeit klar nennen, auf die ausgeschriebene Rolle eingehen.
  • Don’t: Erkennbare Serienbriefe verschicken, mit reiner Spielbegeisterung argumentieren, Arbeitsproben „auf Anfrage” zurückhalten, im Anschreiben nacherzählen, was ohnehin im Lebenslauf steht.

Eine Praktikumsbewerbung gewinnt nicht, wer am meisten verspricht, sondern wer am meisten zeigt.

Wie weit man dieses Prinzip treiben kann, zeigt das berühmteste Beispiel der Branche: 2012 baute der deutsche Game-Design-Student Marius Fietzek für seine Bewerbung um ein zweimonatiges Praktikum bei Double Fine ein komplettes Point-and-Click-Adventure im LucasArts-Stil — Ron Gilbert spielte es, und Tim Schafer stellte ihn ein, so wurde berichtet. Du musst kein Spiel als Bewerbung bauen. Aber die Lektion gilt in jeder Größenordnung: Gezeigte Arbeit schlägt behauptete Begeisterung.

Das Praktikum selbst: Wie du die Zeit nutzt

Die Zusage ist nicht das Ziel, sondern der Startpunkt. Ein Praktikum ist eine befristete Gelegenheit, drei Dinge aufzubauen: Können, Kontakte und Reputation.

  • Hol dir Aufgaben, statt zu warten. Wer fragt „Woran kann ich mitarbeiten?”, bekommt mehr zu tun als jemand, der auf Anweisungen wartet — und mehr zu tun heißt mehr zu lernen.
  • Stell Fragen in alle Richtungen. Iss mit Leuten aus anderen Abteilungen zu Mittag. Frag den Artist, wie sein Workflow aussieht, die Producerin, wie sie priorisiert. Diesen Querschnittsblick bekommst du später selten wieder so leicht.
  • Bitte aktiv um Feedback. Nicht erst im Abschlussgespräch. Regelmäßiges, konkretes Feedback ist der Hauptgewinn des Praktikums — nimm es an, ohne dich zu verteidigen.
  • Sei verlässlich bei den unglamourösen Aufgaben. Praktikanten bekommen auch Routinearbeit. Wer sie sauber erledigt, bekommt danach die interessanteren Dinge anvertraut.
  • Pfleg die Kontakte über das Ende hinaus. Das Team von heute ist das Netzwerk von morgen. Ein kurzer Dank zum Abschied und gelegentliche Lebenszeichen halten Türen offen.

Ein Wort zur Übernahme: Eine Garantie auf eine feste Stelle gibt es nicht, und du solltest sie auch nicht erwarten. Aber selbst ohne Anschlussvertrag verlässt du das Studio mit drei Dingen, die jede spätere Bewerbung leichter machen — einer echten Referenz, Branchenerfahrung im Lebenslauf und Menschen, die sich an dich erinnern, wenn irgendwo eine Junior-Stelle aufgeht. Genau dafür lohnt sich die Mühe der letzten Wochen genauso wie die der ersten.

Dokumentiere, was du lernst

Führe vom ersten Tag an ein Lerntagebuch — was du getan hast, was du gelernt hast, was dich überrascht hat. Das hilft dir doppelt: Du reflektierst besser, und du hast nach dem Praktikum Material für Portfolio und Bewerbungsgespräche, statt dich vage zu erinnern.

Wenn das Studio einverstanden ist, kann daraus auch etwas Öffentliches werden. Marius Fietzek hat sein Double-Fine-Praktikum, das auf seine berühmte Bewerbung folgte, in einem Praktikumstagebuch festgehalten — und damit aus zwei Monaten Praktikum ein weiteres öffentliches Arbeitszeugnis gemacht. Wichtig dabei: Interne Inhalte unterliegen fast immer der Vertraulichkeit. Frag vor jeder Veröffentlichung nach Freigabe, und dokumentiere im Zweifel deine Lernerfahrung statt der Projektdetails. Ein gutes Lerntagebuch funktioniert auch ganz ohne Interna.

Nächster Schritt

Schreib heute eine Liste mit zehn Studios — fünf, die Praktika ausschreiben, und fünf kleine, bei denen du initiativ anfragen willst. Dann bring deine zwei besten Arbeitsproben in vorzeigbaren Zustand und verschicke die erste gezielte Bewerbung noch diese Woche.

Rückfragen

F-01Wo finde ich Praktikumsstellen in der Spieleentwicklung?

Die meisten Stellen findest du direkt auf den Karriereseiten der Studios, dazu in branchenspezifischen Jobbörsen, auf Branchen-Events und über Hochschulnetzwerke. Viele Praktika werden allerdings gar nicht öffentlich ausgeschrieben, sondern intern oder über Kontakte vergeben – genau deshalb lohnen sich Initiativbewerbungen und Netzwerken zusätzlich zur Stellensuche.

F-02Sollte ich mich bei einem großen oder kleinen Studio bewerben?

Beides hat Vorteile. Große Namen wirken im Lebenslauf, bieten Strukturen und klare Prozesse – aber oft eng umrissene Aufgaben. In kleinen Studios übernimmst du in der Regel mehr Verantwortung, siehst die ganze Produktion und arbeitest näher an Entscheidungen. Für das Lernen ist klein häufig die bessere Wahl, fürs Türöffnen der bekannte Name.

F-03Was gehört in eine Bewerbung für ein Games-Praktikum?

Ein kurzes, konkretes Anschreiben mit Bezug zum Studio und seinen Spielen, ein übersichtlicher Lebenslauf und vor allem Arbeitsproben: kleine eigene Projekte, Game-Jam-Beiträge, Mods oder dokumentierte Übungen. Studios wollen sehen, dass du selbst schon etwas gemacht hast – auch auf Anfängerniveau zählt Eigeninitiative mehr als Noten.

F-04Brauche ich für ein Praktikum schon ein Portfolio?

Ein kleines, ja. Niemand erwartet von Praktikanten Profi-Arbeiten, aber zwei oder drei eigene Versuche zeigen, dass dein Interesse über das Spielen hinausgeht. Ein Jam-Spiel, ein kleiner Prototyp oder ein paar dokumentierte Levelskizzen reichen oft schon, um dich von Bewerbungen ohne jede Eigenleistung abzuheben.

F-05Lohnen sich Initiativbewerbungen bei Spielestudios?

Ja, gerade bei kleinen und mittleren Studios, die keine ständige Personalabteilung haben und Praktika selten ausschreiben. Wichtig ist, dass die Bewerbung gezielt ist: Sprich konkrete Projekte des Studios an, erkläre, was du beitragen kannst, und schlage einen konkreten Zeitraum vor. Unpersönlicher Massenversand funktioniert dagegen praktisch nie.

F-06Wie lange dauert ein Praktikum in der Spieleentwicklung üblicherweise?

Das variiert stark – verbreitet sind Zeiträume von etwa zwei bis sechs Monaten, oft gekoppelt an Studienordnungen oder Projektphasen des Studios. Kürzere Praktika reichen meist nur zum Reinschnuppern, bei längeren kannst du ein Feature oder einen Produktionsabschnitt wirklich begleiten. Kläre Dauer und Aufgaben am besten vor der Zusage.

F-07Was kann ich tun, um aus dem Praktikum das Meiste herauszuholen?

Stell Fragen, hör in andere Abteilungen rein und bitte aktiv um Feedback. Führe von Beginn an Notizen darüber, woran du arbeitest und was du lernst. Wer sichtbar Interesse zeigt, zuverlässig liefert und sich Aufgaben holt, statt zu warten, wird im Team ernst genommen – und bleibt nach dem Praktikum in Erinnerung.

F-08Führt ein Praktikum oft zu einer festen Stelle?

Eine Garantie gibt es nicht, aber das Praktikum ist eine der besten Türen: Das Studio kennt dich, du kennst das Team, und bei offenen Junior-Stellen haben bekannte Gesichter häufig Vorteile. Auch ohne Übernahme gewinnst du Referenzen, Kontakte und Branchenerfahrung – Dinge, die jede spätere Bewerbung leichter machen.

F-09Sollte ich mein Praktikum öffentlich dokumentieren?

Wenn das Studio einverstanden ist, unbedingt. Ein Blog oder Lerntagebuch zeigt späteren Arbeitgebern, wie du denkst und was du gelernt hast. Wichtig: Veröffentliche nichts ohne Absprache, denn interne Projekte unterliegen fast immer der Vertraulichkeit. Halte dich an Freigaben und dokumentiere im Zweifel die Lernerfahrung statt der Inhalte.

F-10Was, wenn ich nur Absagen auf Praktikumsbewerbungen bekomme?

Prüfe zuerst die Arbeitsproben: Fehlen sie oder passen sie nicht zur Rolle, ist das die häufigste Ursache. Bewirb dich breiter bei kleinen Studios, nimm an Game Jams teil und bau dein Mini-Portfolio aus. Jede Absage ohne Feedback sagt wenig über dich – jedes neue fertige Projekt verbessert dagegen messbar deine Ausgangslage.